Holidaycheck vs A&O – was ist das Problem? Hintergründe zum Thema

A&O hat es geschafft – man ist nicht mehr auf Holidaycheck vertreten. In der Presse wird nun schon gemutmaßt, was dazu geführt hat.

Die FVW bezieht sich darauf, dass Holidaycheck wegen Brand Bidding untersagt wird, nicht weiter den Begriff A&O Hotels zu verwenden. Brand Bidding ist jedoch eher aus dem Bereich Adwords bekannt. Hier geht es aber nicht um einfaches Abschalten von Google Adwords Anzeigen und schon wäre es für Holidaycheck erledigt.

Die Tragweite ist aber deutlich größer. Holidaycheck hat die A&O Hotels wohl komplett offline nehmen müssen. Dies liegt wohl daran, dass man den Markenbegriff A&O gar nicht mehr verwenden darf – besonders wohl in Bereichen wie dem Seitenheader, die bei Google in den natürlichen Suchergebnissen prominent und fett blau hinterlegt erscheinen.  Der beigefügte Screenshot zeigt es deutlich – sucht man nach „A&O Hotel Friedrichshain Holidaycheck“, erscheinen die Ergebnisse noch. Klickt man jedoch die Links an, leiten diese weiter zu einer 404 Seite. (siehe screenshot 1). Holidaycheck A&O

 

Es ist momentan sehr schwierig eine konkrete Begründung von beiden Seiten zu bekommen. Daher kann man wie gesagt nur mutmaßen. Jedoch schätze ich die Lage so ein, dass es ein Gericht als Tatsache einschätzt, dass durch Holidaycheck – vor allem durch die prominente Verwendung des Markennamens – Verbraucher in die Irre geführt werden und fälschlicherweise auf den Link klicken, in der Annahme man lande auf der A&O Webseite. Da Holidaycheck keine Einwilligung von A&O besitzt, den Markenbegriff zu verwenden, muss es dies nun unterlassen. Wenn man jedoch nicht mehr den Hotelnamen verwenden darf – besonders im Page Titel – fällt man de facto komplett aus dem Google Ranking bei der Suche nach eben diesen Hotelnamen bzw. Markennamen raus.

Folgen für Holidaycheck

Wenn ein Gericht dies nun untersagt, hat das eine enorme Tragweite aus meiner Sicht – auch als Präzedenzfall. Holidaycheck ranked gerade bei Hotelnamen in den unbezahlten Google Ergebnissen enorm gut und bekommt sicher einen nicht unerheblichen Teil seines Traffics über solche Suchbegriffe. Oft ranked man an 2. Stelle hinter der Hotelwebseite. Falls dieses Urteil Schule macht und weitere Hotels und Ketten klagen, könnte es dazu führen, dass Holidaycheck enorm an Reichweite verliert – aber ggf. auch andere Plattformen mit ähnlichen Geschäftsmodellen.

Folgen für das Hotel

Holidaycheck argumentiert, dass man ja als Online Reisebüro einen Mehrwert für das Hotel stiftet, indem man es online verkauft. Man mag aber auch argumentieren, dass jeder Anbieter der gegen Kommission verkauft und dem Hotel auf der ersten Seite der Google Suche einen Platz auf Google „wegnimmt“ einen Schaden für das Hotel darstellt. Ähnlich wie auf Adwords möchte A&O das ausschliesslich A&O eigene Webseiten bei einem Suchbegriff wie z.B. „A&O Hotel Friedrichshain“ erscheinen. Momentan ist es so das hinter der A&O Webseite immer noch Seiten wie tripadvisor, Booking.com und andere OTA’s erscheinen. Holidaycheck ist nun aber erst mal raus. Interessanterweise ist dadurch aber die Facebook Seite von A&O dadurch eine Stelle nach oben gerutscht. Dies bedeutet sofort mehr Traffic und Sichtbarkeit für A&O, somit mehr direkte Buchungen und somit weniger Kommissionszahlung. Man mag also erst mal sagen, dass sich dies für A&O gelohnt hat. Man erhöht die eigene Sichtbarkeit und hat einen teuren Kanal in die Schranken gewiesen. 

Wie gesagt – im Adwords Bereich ist diese Praxis schon Gang und Gebe und ich kenne viele Hotelketten die hier erfolgreich gegen Markenverletzungen vorgegangen sind. Dies ist nun der erste mir bekannte Fall das eine Kette dies auch im SEO Bereich durchgesetzt hat. Aus guten Quellen kann ich berichten, dass man bei A&O auch vom Vorgehen der kompletten Deaktivierung bei Holidaycheck etwas überrascht war. Ich denke jedoch das Holidaycheck kaum etwas anderes übrig blieb, da eine Anpassung der Seiten in einer Form die das Gericht akzeptiert ggf zu aufwendig gewesen wäre. Daher hat man evtl. einfach den Stecker gezogen. Ob dies von Dauer ist würde ich momentan bezweifeln.

Spannend ist dieses Thema auf jeden Fall. Strategisch ist es  jedoch konsequent von A&O diesen Weg zu gehen. Das man sich seine Distributionspartner aussuchen möchte und seine Marke nur Plattformen zur Verfügung stellt, die man auch selbst wählt ist ein durchaus verständlicher Wunsch eines jeden Hotels. Ob es jedoch sinnvoll ist, ausgerechnet sich Holidaycheck auszusuchen für einen solchen Fall und nicht eine grössere, globaler agierende Plattform ist zu hinterfragen. Dies ist jedoch evtl. einfach damit zu begründen, dass dies rechtlich am schnellsten umzusetzen war. Daher bleibt es spannend was die nächsten Schritte von A&O hier sind und ob es Nachahmer geben wird in der Branche.

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7 Antworten auf Holidaycheck vs A&O – was ist das Problem? Hintergründe zum Thema

  1. Wenn meine Bewertungen so schlecht sind, wie bei den A&O Hotels, würde ich meine Leute mehr schulen, als meine Zeit und das Geld der Company vor Gerichten zu verplempern.

  2. Kartoffel sagt:

    Hallo Uli,
    das ist eine gute Analyse und ich bin auf die Gegenstimmen gespannt.
    Wenn aus der einstweiligen Verfügung wirklich ein Grundsatzurteil erwachsen sollten – das wird es spannend und dann könnte das komplett die Serps neu mischen und die Sichtbarkeit der großen Player massiv einschränken. Natürlich nur wenn der Hotelier oder die Hotel/Hostelkette das denn auch wollen und sie es sich überhaupt leisten können ( Abhängigkeit & Co ) … bei A&O Hostels muss man anerkennen – das sie ihr jahrelanges Ziel bei Holidaycheck nicht vertreten zu sein ( oder wenigsten die Entscheidungshoheit darüber zu haben ) nun über diesen “Umweg” erreicht haben und sich gleichzeit die Sichtbarkeit für die “eigene” Facebook Seite erhöht hat – oder andere Seiten… Obwohl eigen und Facebook sich schon gegenseitig ausschließen. Spannend auf jeden Fall für die Firmen, welche ausschließlich den Vertrieb nur über die eigenen Seiten organisiert haben und die ersten Plätze auf den Serps zum Firmennamen dann auch tatsächlich für sich beanspruchen. Lieben Gruss aus der Lüneburger Heide Olaf

  3. michael buller sagt:

    Die Konsequenz ist….das AO sich nun selber vermarkten muss und auch keinen Billboard Effekt auf den Portale(n) mitnehmen kann. Eigentlich ein Eigentor sich überall aufzuregen und daraus ein Drama zu machen obwohl es mit einem gesunden Abstand das Bild oft dann anders aussieht lieber Uli.

    Ähnliche Propaganda gabs ja auch bei der HRS – Geschichte um Endpreis….die wurde wieder komplett verdreht und angeblich gings ja um höhere Einnahmen für den OTA. Tatsache war aber dann doch das man Endpreis ausweisen muss ….entsprechend der geltenden Gesetze ….die man vorher halt nicht erfüllt hat.

    Die Hoterlie muss langsam darauf achten wem sie hier zuhört und es ist schon erstaunlich das es immer die Gleichen sind die “böse OTA” schreien und den erbrachten Mehrwert in Grund und Boden reden, für einen kurzen eignen PR Erfolg.

    Miteinander und nicht gegeneinander wäre eigentlich der richtig Weg……und das Bild von wichtig in Google oder nicht….das größte Problem darin sind nicht die OTA….aber dazu müssten man über den Tellerrand sehen.

    Gruß
    Michi

    • admin sagt:

      Hi Michi,

      es ist wie gesagt nur eine subjektive Einschätzung der Lage. Es geht im dem Artikel weder um das grosse Ganze noch um OTA Bashing. Ich finde es ist ein interessantes Urteil, eine interessante Herangehensweise von A&O (die man nicht teilen muss – auch als Hotelier) und es entsteht daraus sicher eine interessante Diskussion. Zudem hat es mich ehrlich gesagt mal wieder etwas gestört wie dünn unsere Fachpresse darüber schreibt. Da würde ich mir auch öfter mal etwas mehr Hintergrundwissen erhoffen. LG, Ulli

    • Kartoffel sagt:

      Gibt es belegte Ergebnisse zum Thema Billboard Effekt über die OTAs in Richtung Hotels? Oder sind das eher Vermutungen? Ich dachte es wäre bisher meistens umgekehrt… z.B. ein Gast stolpert im Netz über ein Hotel und bucht es dann über die OTAs ( weil z.B. besser oder einfachere Buchungstechik vorhanden ) oder ein Gast interessiert sich für ein Hotel und gibt den Firmennamen ein und bucht über die OTAs weil diese mit dem Firmennamen geworben haben ( Adwords/Fremdbidding/Serps ) und vielleicht sogar schon über dem Hotel stehen. Mir geht es hier auch gar nicht um gut oder böse – sondern über das Sachthema. Lieben Gruss aus der Heide Olaf Stehr

      • michael buller sagt:

        Billboard Effekt ist keine Vermutung…..das sind Fakten….das ist jedem Veranstaltern in Deutschland klar….und das ist eher der normal Weg als umgekehrt.

        Gruß
        Michi

  4. Unser Marke “Hermes Hotel” erscheint bei Google auch sehr oft und dennoch werden wir wohl nicht dagegen angehen, denn die Portale bringen Geschäft! Wenn wir in Fußballstadien oder Bahnhöfen oder sonstwo Werbung Schalten würden, wäre das bei weitem viel zu geld- und zeitaufwendig. Bei 15 % weiß man genau, woran man ist. Und Vertriebskosten sind nun einmal da!

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