Wo würden Sie buchen?

Manche haben es vielleicht schon gehört haben – wir bieten seit ca. 2 Wochen ausgewählten Hotels an im Preisvergleich von trivago gelistet zu werden. Eigentlich eine grandiose Möglichkeit teures OTA Geschäft auf die eigene Webseite zu shiften. Natürlich ist trivago nicht umsonst, sondern kostet pro Klick, aber das Thema CPC haben wir ja kürzlich umfangreich beim IHA Gastblog beschrieben.

Die Grundlogik ist einfach – wenn es sich Booking oder HRS leisten kann mit meinen Provisionen mein eigenes Hotel auf trivago zu bewerben, dann müsste ich das doch mit meiner eigenen Webseite günstiger schaffen – richtig?

Theoretisch ja – praktisch nicht unbedingt. Warum? Weil viele Hoteliers Ihre Hausaufgaben gründlich genug machen.  Beispiel gefällig? Hier einmal ein kleiner Screenshot:

Hausaufgabe Nr 1: Preisdiskrepanz wegen Veranstalterraten

4 Hotels und 4x ist die Hotel Webseite teurer als die günstigste OTA. Meistens sind die Ursachen dafür OTA’s mit Veranstalter oder Bettenbanken Inventar. Das Hotel hat also Verträge zu Nettoraten unterzeichnet, die ursprünglich für den Reisebürovertrieb gedacht waren, nun aber über diverse Umwege der eigenen Webseite direkte Konkurrenz machen. Dies ist unnötig und schadet dem Geschäft. Für den Endkunden ist die “Reise der Raten” egal. Er bucht zumeist den günstigsten Preis und als Hotel ist es auch mühselig darüber zu diskutieren ob der Preis nun  hier erscheinen darf oder nicht. Er tut es und in den meisten Fällen liegt es an den Verträgen die das Hotel unterschrieben hat.

Fragen Sie sich daher als Hotelier immer – wo würden Sie als Gast buchen?

Hausaufgabe Nr. 2: Usability & Pflichtangaben in der Buchung

Booking & Co. Verwenden Wochen und Monate darauf permanent an Ihrer Buchungsmaschine zu feilen und die Conversion zu optimieren. Wenn ich mir so manche Hotel Buchungsmaschine anschaue, sehe ich immer noch die Oberflächen die seit vielen Jahren im Einsatz sind. Ladezeiten sind langsam und der Kunde wird durch mehrere Schritte zur Buchung gequält oder in „One-Page“ Buchungslösungen muss er sich durch Kleingedrucktes scrollen und wurschteln. Aus den Steinen dem wir dem Gast bei der Buchung in den Weg legen, kann er sich schon fast ein eigenes Hotelzimmer bauen.

Weniger ist hier mehr. Übersichtlichkeit entscheidet. HRS macht es schön vor:

 

Bei HRS folgende Pflichtangaben:

-       Name
-       Email
-       Telefon

Hotel Webseite:

-       Titel
-       Name
-       Email
-       Land
-       Adresse
-       Stadt
-       Bundesland (???)
-       Telefon
-       Kreditkarte (!!!)

Das Alles für das gleiche Zimmer am gleichen Tag! 6 Angaben mehr als bei HRS sind auf der Hotelwebseite erforderlich.

Das Argument der Hotels ist das man ja all diese Daten benötigt um den Gast einen besseren Check-in zu gewährleisten, mehr Storno-Sicherheit zu haben (gerade bei der Angabe der Kreditkarte), usw. Alles sinnvolle Argumente für das Hotel, aber der Gast bucht online dort wo es am schnellsten geht. Jedes Zusatzfeld im Buchungsprozess kann 0,1% Conversion kosten. In Deutschland haben immer noch viele Kunden keine Kreditkarte und wenn, wollen sie diese online nicht angeben aus Sicherheitsgründen. Es gibt einen Grund warum HRS diese nicht abfragt – und lohnt es sich nicht dafür evtl. eine höhere Stornoquote in Kauf zu nehmen? An 100% Belegungs-Tagen kann ich ja die Policy strikter anwenden.

Es gilt die einfache Regel – weniger ist mehr. Ich persönlich bevorzuge als Hotelier eine Buchung ohne Kreditkarte eher als gar keine Buchung. Und wenn ich HRS diesen USP erlaube, dann darf ich doch meine eigene Webseite nicht schlechter stellen?!

Versetzen Sie sich wieder in Ihren Gast – wo würden Sie buchen?

Hausaufgabe Nr 3: Content Pflege

Viele Hotels hinterlegen auf trivago und anderen Metaportalen nicht genug gute Inhalte, wie Bilder, Texte und Amenities. Gute Inhalte fördern das Ranking, erhöhen somit meinen Market Share in meiner Destination und sind natürlich auch repräsentativ für mein Hotel und meine Marke.

Zudem fällt immer wieder auf das Hotels auf OTA’s besser beschrieben sind als auf der eigenen Hotelwebseite. Beispiel gefällig?

Hotelwebseite:

„Das 4-Sterne-Hotel, einstiges Anwesen des Rittmeisters Carl von Kalckreuth, liegt idyllisch im eigenen Park und doch den Kul­tur­stät­ten ganz nah. Hier im liebe­voll gestal­teten Romantik Hotel XXX Weimar werden Sie sich als unser Gast wie zu Haus’ bei guten Freun­den fühlen. Sie wohnen in traum­hafter Lage und sind auf Schritt und Tritt mit der Klassiker­stadt Wei­mar ver­bunden.“

Booking.com:

Das 4-Sterne-Hotel profitiert von einer idyllischen Lage mit eigenem Park an Rande von Weimar und befindet sich in der Nähe zahlreicher kultureller Sehenswürdigkeiten und Weltkulturerbstätten der UNESCO.

Der XXX bietet geschmackvoll eingerichtete Zimmer und ein elegantes Restaurant mit thüringer Spezialitäten. Viele Gerichte werden mit Kräutern und Gemüse des eigenen Gartens zubereitet.

Entspannen können Sie im Saunabereich oder bei einem gemütlichen Spaziergang im herrlichen Hotelpark.

Die Altstadt ist nur 12 Minuten mit dem Auto entfernt. Hier gibt es viel zu erkunden. Zu den beliebten Sehenswürdigkeiten gehören das Weimarer Residenzschloss, das Nationale Goethemuseum sowie das Schillerhaus.

Parkplätze stehen kostenfrei zur Verfügung.“

Oben emotional ohne Aussage zu den USP’s. Unten konkret, lesbar (thema Absätze, kurz Sätze, usw), fokussiert.

Wo würden Sie buchen?

Fazit

Ich bleibe dabei – Online Direktvertrieb ist kein Hexenwerk, sondern logischer Menschenverstand. Und das heisst in erster Linie, dass man sich in seinen Kunden hineinversetzen sollte und natürlich auch seine Webseite weder preislich noch inhaltlich schlechter stellen sollte als externe Vertriebskanäle.  Wir sind nun im Jahr 2013 und es gibt tolle und effiziente Wege sein Hotel direkt im Internet zu vermarkten. Viele Dinge sind auch nicht schwer – man sollte sich eben immer nur eine Frage stellen:

Wo würde ich selbst buchen, wenn ich die Wahl hätte? Dies bitte ehrlich beantworten und auf der eigenen Webseite anwenden!

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